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Reichenau | Von Äbten und Mönchen der Reichenau

Von Äbten und Mönchen der Reichenau

Sie Insel Reichenau im westlichen Bodensee (Untersee) ist heute durch einen Damm mit dem Ufer am Festland verbunden und hat einen Umfang von zirka 4,3 Kilometer. Die Klosterinsel war einst Mittelpunkt des Abendlandes und die Wiege der karolingischen und ottonischen Kunst. Das von den Franken nach der Unterwerfung der Alemannen gegründete Kloster erlangte bald eine für den südbadischen und nordschweizerischen Raum überragende Rolle. Erster Abt war der Westgote Pirmin, einem Wandermönch aus Gallien oder Irland. Er gründete mach seiner Zeit auf der Reichenau noch weitere Klöster, unter anderem in Gengenbach in der Ortenau. Zur Erstausstattung des Klosters gehörten außer der Insel Reichenau die Orte Alennsbach, Markelringen Kaltbrunn, Wollmatingen Allmannsdorf und Ermatingen. Abt Waldo (786-806), dem Begründer der Reichenauer Gelehrtenschule und der großen Reicheanuer Bibliothek, dem war ursprünglich Bischof der langobardischen Hauptstadt Pavia und Abt von Saint Denis. Mit seiner Ankunft auf der Insel Reichenau begann im das "goldene Zeitalter" des Klosters. Gleichzeitig war Waldo Erzieher und Berater Pippins, was die Verbundenheit zwischen der Klosterinsel und dem fränkischen Herrscherhaus aufzeigt.

Sein Nachfolger, der Abt Hatto I. (806-823), war ein eifriger Förderer klösterlicher Bildung und erste Erbauer des Münsters, einer dreischiffigen Kreuzbasilika mit Zwillingsapsiden, die im Jahr 816 n. Chr. eingeweiht wurde. Unter Abt Hatto I. wirkte der gelehrte Reginbert als Leiter einer der damals größten Bibliotheken des Abendlandes. In die Regierungszeit des Abtes Erlebad fallen zu Beginn des 8. Jahrhunderts die Anfänge des über 40.000 Namen umfassenden Verbrüderungsbuches. Die bekannteste Gestalt in der langen Reihe der Reichenau Äbte war der um 809 im Bodenseegebiet geborene Dichter Walahfried Strabo, Verfasser der Vision Wettis, Prinzenerzieher und Zentralfigur in den Machtkämpfen zwischen Kaiser Ludwig dem Frommen und seinen Söhnen. Strabo erhielt seine Ausbildung durch den Erzbischof Hrabanus Maurus, dem größten Gelehrten zur Zeit Karls des Großen. Nach seiner endgültigen Rückkehr auf die Klosterinsel Reichenau und seiner Einsetzung als Abt widmete sich Walahfried Strabo vornehmlich theologischen Studien.

Rühmend berichtet Walahfrid Strabo, der bis heute wohl als der bedeutendste und bekannteste Abt des Klosters gilt, in einem Brief an Papst Gregor IV. von der Reichen Au am Bodensee. Zirka 20 Kirchen und Kapellen gab es damals auf der Klosterinsel. Die Klosterbibliothek bestand aus mehr als 400 Bänden. Walahfrid Strabo, auch der Schielende genannt, war Zögling der berühmten Klosterschule und ein wichtiger Autor seiner Zeit. Noch heute lebendig ist sein allegorisches Gartengedicht Hortulus (Liber de cultura hortorum), in dem er die Pflanzen des Klostergartens besingt. Ihm zu Ehren hat man jetzt wieder einen Kräutergarten in Mittelzell angelegt.

In der 2. Hälfte des 9. Jh. hatte der Besitz des Klosters eine gewaltige Ausdehnung, zumal dank der Schenkungen Kaisers Karls des Dicken, dem der auf der Klosterschule Reichenau ausgebildete Bischof Liutwart von Vercelli als Kanzler diente. Der Kaiser wurde 888 im Chor des Münsters bestattet. Kaiser Arnulf erhob Abt Hatto III. (888-913) zum Erzbischof von Mainz und zum Erzkanzler des Reiches. In die Zeit um die Jahrtausendwende fällt die zweite glanzvolle Epoche kulturellen Lebens auf der Reichenau. Die Malschule des Klosters zählte damals zu den größten und bedeutendsten im Reich. Auch pflegten die Mönche die Dichtkunst, die Musik und das Kunsthandwerk.

Der Abt Witigowo entfaltete während seiner Amtszeit eine rege Bautätigkeit auf der Klosterinsel. Er fasste die verschiedenen Klosterbauten zu einer baulichen Einheit zusammen. Sein Nachfolger Alawich II. erhielt vom Papst das Privileg der Gleichstellung des Inselklosters mit dem Bischof von Konstanz. Unter dem als streng geltenden Abtes Immo zu Beginn des 11. Jahrhunderts empörte sich der Konvent und erzwang von Kaiser Heinrich II. seine Absetzung.

Ihm folgte der bedeutende Abt Berno, der sich auch als Wissenschaftler und Musiker einen Namen machte. Sein bedeutendster Schüler in der neu erblühenden Schule war der vielseitig begabte Gelehrte und Künstler Hermann der Lahme aus einem Grafengeschlecht von Altshausen. Er war Autor einer großen Weltchronik und Komponist des heute noch unverändert gesungenen "Salve Regina". Hermann der Lahme, auch Hermann von Reichenau genannt, gilt bis heute als einer der bedeutendsten schwäbischen Gelehrten und Geschichtsschreiber. Er wurde am 18.07.1013 geboren und starb am 24.09.1054 auf der Reichenau. Der Benediktinermönch verbrachte die meiste Zeit seines Lebens auf der KJlosterinsel, beschäftigte sich mit Musiktheorie, Mathematik, Astronomie, Dichtung und Geschichte und schrieb die erste erhaltene Weltchronik Schwabens.

Abt Berno gab dem Münster im 11. Jahrhundert seine heutige Gestalt mit Markusbasilika und Turmwerk. Im November 1049 weihte Papst Leo IX. auf der Klosterinsel eine Kirche ein. König Heinrich IV. besuchte das Kloster am Bodensee im April 1065. Im Investitur-Streit stand das Kloster Reichenau auf päpstlicher Seite. Unter Abt Diethelm von Krenkingen zwischen den Jahren 1169 bis 1206, einem treuen Anhänger Friedrich Barbarossas, erstrahlte noch einmal der Glanz der alten Abtei. Nachdem er aber, seit 1189 auch Bischof von Konstanz, im Jahr 1206 auf alle seine Ämter verzichtet hatte und ins Kloster Salem nördlich des Bodensees eingetreten war, begann der geistige und materielle Niedergang des Inselklosters.

Zwar vermochte Abt Albrecht Ramstein (1259-94) das Klostergut zu konzentrieren und zusammenzuziehen. Es gelang ihm jedoch damals nicht, die schon längst nahezu unabhängigen Dienstleute des Reiches wieder enger an das Kloster zu binden. Zwischen 1296 bis 1306 wurde der Konstanzer Bischof Heinrich von Klingenberg, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Zeit, als Gubernator der Kloster Reichenau eingesetzt. Der auf Reform bedachte Abt "Diethelm von Castell" versuchte später vergeblich, den ausschließlich dem Hochadel vorbehaltenen Reichenau Kloster auch den Mitgliedern des Ritterstandes zu öffnen. Die teilweise im Jahr 1235 abgebrannten Klostergebäude ließ er wieder aufbauen.

Unter Abt Eberhard v. Brandis (1343-1379) musste 1367 der ganze Klosterbesitz verpfändet werden. Beim Tod des Abtes Werner von Rosenegg im Jahr 1402 befanden sich nur noch 2 Konventsherren im Reichenauer Kloster. Abt Friedrich v. Wartenbeg (1427-1453) konnte nochmals mit Mitgliedern des niederen Adels das Kloster Reichenau im Sinne des benediktinischen Mönchsideals für kurze Zeit aufleben lassen. Kurz vor dem Ende der Selbständigkeit des Klosters schrieb der Radolfzeller Chronist Gallus Öhem die Geschichte des Gotteshauses Reichenau nieder.

Im Jahr 1540, das Mittelalter ging nun in die Neuzeit über, verzichtete Markus von Knöringen zu Gunsten des Bischofs von Konstanz auf die Reichenauer Abtswürde. Die Konstanzer Kirchenfürsten waren nun fortan die Herren der des Kloster Reichenau. Sie richteten als Verwaltungsstelle auf der Insel ein Obervogteiamt ein und verwandelten die einstige Abtei in ein Priorat mit 12 Mönchen. Nach langen und vergeblichen Kämpfen des Konvents, vor allem des letzten Priors Meinrad Meichelbeck, um die Wiederherstellung der Abtei wurde das Kloster schließlich durch Papsterlass bereits 1757 vollständig aufgelöst.

In der Folgezeit blieb nur eine kleine Kolonie der Mission auf der Insel. Die Säkularisation löschte das klösterliche Leben endgültig aus. Mit dem Bistum Konstanz fielen die Besitzungen der Abtei durch den Reichsdeputionshauptschluss im Jahr 1803 an das Großherzogtum Baden. Seit 2001 lebt wieder eine kleine Gemeinschaft von Benediktinern auf der Insel und knüpft an die benediktinische Tradition der Klosterinsel an.

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