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Freiburg | Engländerunglück am Schauinsland

Engländerunglück am Schauinsland

Als Engländerunglück bezeichnet man ein Vorfall am 17. April 1936, bei dem eine Gruppe von 27 englischen Schülern am Schauinsland in Bergnot geriet, nachdem die jungen Buben trotz ungünstiger Wettervorhersage unter Leitung ihres Lehrers von Freiburg aus auf den Berg aufgebrochen waren. Auf dem Kamm verlor die Gruppe in einem Meter Neuschnee, Nebel und Schneesturm die Orientierung. Durch schnelles Handeln der Hofsgrunder Bevölkerung und mit viel Glück konnten die meisten der Schüler gerettet werden, fünf starben jedoch an den Strapazen.

Schauinsland: Nebelschwaden
Es war der Freitag vor dem Weißen Sonntag des Jahres 1936 morgens um neun Uhr, als die englische Schulklasse - Buben im Alter zwischen 13 und 17 Jahren - mit ihrem Lehrer, von der Jugendherberge Peterhof zu einer Frühlingswanderung in Richtung Schauinsland aufbrach. Ziel der Wanderung war die damalige Jugendherberge am Radschert in Todtnauberg, die man am Abend des gleichen Tages erreichen wollte. Bereits in Freiburg waren die Wetterbedingungen alles andere als gut, denn es begann zu regnen und bereits in Günterstal kam Nebel auf und die ersten Schneeflocken rieselten vom Himmel herunter. Der Gegend völlig unkundig und meist nur mit kurzen Hosen und Halbschuhen bekleidet, begann die Gruppe über das Gasthaus St. Valentin mit dem Aufstieg. Weitere Stationen waren der Kybfelsen, Sohlacker und der Kohlerhau. Unterwegs wurden sie mehrfach von Einheimischen zur Umkehr gemahnt, die Gruppe ließ sich aber nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Schließlich begann es zu stürmen und zu schneien und die Gruppe kam immer langsamer, Schritt für Schritt, im hohen Schnee voran. Als sie in der Dämmerung den Kamm östlich des Gipfels des Schauinslands über die Rodelbahn erreichten, lag dort der Schnee bereits über einen Meter hoch.

Schauinsland: Südflanke
Mittlerweile wurde das Schneetreiben so heftig, dass sie jegliche Orientierung und sich auch noch in die falsche Richtung bewegten. Statt schnellstmöglich den Gipfel zu erreichen oder auch die Sicherheit bietende Bergstation der Schauinslandbahn, bogt die bereits entkräftete Gruppe an der Kapplerwand nach Osten ab in Richtung heutigem Sonnenobservatorium Schauinsland. Einige der Schüler waren mittlerweile so erschöpft und unterkühlt, dass sie nicht mehr selbst gehen konnten, sondern von ihrem Lehrer einzeln weiter getragen werden mussten. Doch plötzlich vernahmen sie das Betzeitläuten von Hofsgrund herauf. Mister Keast, der begleitende Lehrer der Schülergruppe, änderte daraufhin die Richtung Richtig dem Glockenläuten und schickte die kräftigsten der Schüler aus, um Hilfe zu holen. Die Entkräfteten wurden mit je einem anderen Schüler als Wache zurückgelassen. In Hofsgrund war zum Glück freitags als "Brottag", dass heißt, dass im Laden des Dobelbauernhofs zu jener Zeit Brot verkauft und Butter für den Münstermarkt in Freiburg abgegeben wurde. Deshalb waren an jenem Abend einige Hofsgrunder beim Dobelbauern anwesend, als die Hilfesuchenden vorausgeschickten Buben in den Dorfladen stürmten.

Kappler Wand
In diesem Moment war es auch Glück, das im Dobelbauernhof bereits ein Telefon installiert war. So war es den anwesenden möglich, Hilfe beim Haldenhotel Hofsgrund und in Freiburg zu rufen. Im Haldenhotel war auch ein Arzt zu Gast, der herbeieilte. Die Hofsgrunder kämpften sich sofort mit größter Anstrengung durch mannshohe Schneewehen einige hundert Meter oberhalb des Dobelbauernhofs zu den Verunglückten, die bereits fast völlig zugedeckt von Schnee kaum aufzufinden waren und ihr Bewusstsein verloren hatten. Mit Hornschlitten transportierte man die Bewusstlosen ins Dorf, wo der aus dem Haldenhotel herbeigerufene Arzt sofort lebenserhaltende Maßnahmen einleitete. Für vier Schüler kam jedoch jede Hilfe zu spät. Da Hofsgrund völlig vom Verkehr abgeschnitten war, konnten erst am nächsten Morgen zwei weitere Schwerverletzte mit Schlitten zur Hohen Brücke am Taleingang St. Wilhelm (Oberried) transportiert werden, von wo man sie in die Freiburger Uniklinik fahren konnte. Einer der Beiden konnte noch gerettet werden. Zum Gedenken an die Verunglückten wurde im Jahr 1938 unterhalb des Schauinslandgipfels ein Granitdenkmal errichtet, dass heute als Engländerdenkmal bekannt ist. Die Geschichte der in Not geratenen Schülergruppe wurde bereits kurze Zeit später von Nationalsozialisten instrumentalisiert.

Der Hobby-Historiker Bernd Hainmüller (Autor) widmet sich seit mehr als 20 Jahren dieser Geschichte. Er rekonstruierte den Weg der Gruppe und die Ereignisse an diesem Unglückstag durch Auswertung von Archivmaterial der überlebenden Schüler und in England veröffentlichten Recherchen. Auch der Missbrauch durch die nationalsozialistische Propaganda im Dritten Reich werden dabei thematisiert. Seine Homepage und einem diesem Unglück gewidmeten Buch informieren ausführlich über das Engländerunglück am Schauinsland.
Engländerunglück am Schauinsland

Foto: Engländerunglück am Schauinsland

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