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Tiengen am Hochrhein

Der Stadtteil Tiengen liegt in einem Talkessel an einer verkehrstechnischen günstigen Lage, wo die vier verschiedenen Täler Schlücht, Wutach, Steina und der Aare in das Hochrheintal münden. Im Jahr 858 n. Chr. erstmals urkundlich erwähnt, war Tiengen im 9. Jahrhundert zentraler Vorort des Albgaus. Als ummauerte Marktsiedlung wurde es erstmals im Jahre 1112 genannt. Um das Jahr 1080 kam es wohl durch Tausch aus den Händen des Klosters St. Blasien an die Herren von Krenkingen, einem bedeutenden Adelsgeschlecht des Alpgaus. Tiengen wuchs im Mittelalter rasch zu einer bedeutende Marktstätte heran. Der bekannte Abt Bernhard von Clairvaux rief z.B. in der Tiengener Kirche 1146 zum Kreuzzug auf. 1241 verkauften die Landgrafen von Stühlingen die Stadt an das Bistum Konstanz, das schließlich 1261 Tiengen als Lehen an Heinrich von Krenkingen weitergab. Im Jahr 1275 erhielt Tiengen das Münzrecht verliehen. Im Jahr 1413 gab Graf Diethelm von Krenkingen Stadt und Schloss an Konstanz zurück.

Einen Überfall der Schweizer im Jahr 1415 wehrten die Tiengener erfolgreich ab. Priester, Vogt und Ratsherren legten aus diesem Anlass ein Dankgelöbnis ab. Es ist der historische Grundstein des kirchlichen "Schwyzertages", der bis heute traditionell am 1. Sonntag im Juli gefeiert wird. 1429 wurde die Stadt an Hermann von Hohenlandenberg und von 1443 bis 1456 an Bilgeri von Heudort verpfändet. Im älteren Schweizer Krieg von 1468 besetzten die Schaffhauser Truppen Tiengen. Es verblieb schließlich bis 1476 in ihrem Besitz. Bischof Otto von Konstanz verpfändete die Stadt 1482 an den Grafen von Sulz. Diese Grafengeschlecht wechselte seinen Wohnsitz auf das Schloss in Tiengen und machten die Stadt zur ihrer Residenzstadt, der Landgrafschaft Klettgau. Im zweiten Schweizer Krieg 1499, auch Schwabenkrieg genannt, wurde die Stadt so gründlich zerstört, dass kein Stein auf dem anderen blieb. Das hat zur Folge, dass alle Gebäude im heutigen Tiengen nicht älter als dieses Datum sind.

Der Graf Rudolf von Sulz baute sein Schloss und die Stadt Tiengen wieder auf, umgab sie mit einer Stadtmauer. Während des Bauernkrieges 1525 schlossen sich die Tiengener den Klettgauer Bauern an und vermieden somit größere militärische Auseinandersetzungen. Nach dem Aussterben der Grafen von Sulz im Jahr 1687 kam Tiengen unter die Herrschaft der Fürsten von Schwarzenberg und ging schließlich im Jahr 1806 an das Großherzogtum Baden über. Im Jahr 1862 erhielt die Stadt einen Bahnanschluss, nicht unbedeutend für die wirtschaftliche Entwicklung Tiengens im 19. Jahrhundert. Seit 1975 sind Waldshut und Tiengen im Zuge der Gemeindereform eine Doppelstadt.
Tiengen

Foto: Tiengen

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