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Alemannisch | Wie kam die Ravennaschlucht zu ihrem Namen?

Wie kam die Ravennaschlucht zu ihrem Namen?

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Ravennaschlucht zwischen Breitnau und Hinterzarten im Hochschwarzwald zu den beliebtesten Ausflugszielen der Region gehört. Das Hofgut Sternen, die riesige Kuckucksuhr und die Ravennabrücke im Weiler Höllsteig bilden einen sehenswerten Einstieg zur wildromantischen Schlucht.

Ravennaschlucht
Bereits seit dem 19. Jahrhundert zerbricht man sich den Kopf, wie die Ravennaschlucht und der namensgebende Ravenna Bach zur ihrem Namen kamen. Vorneweg, das neudeutsche Verb "raven" für "an einem Rave teilnehmen" kommt leider nicht in Frage. Denn bereits im 16. Jahrhundert wird der Bach durch die Schlucht in einer Urkunde der Herren von Sickingen, die einst Grundherren von Breitnau und Hinterzarten waren, als "Rauenna" genannt. So kommt auch nicht die italienische Stadt Ravenna in Frage, die bereits der Volksschriftsteller Heinrich Hansjakob nach dem Bau der Höllentalbahn im Jahre 1885 in Erwägung zog. Der Gedanke, die damals beschäftigten italienischen Wanderarbeiter hätten den Namen mitgebracht, ist zwar romantisch, aber nicht realistisch.

Ravenna Bach
Als Namensgeber wurde in der Vergangenheit auch der Rabe als Tier thematisiert, der sich im Laufe der Zeit zu Ravenna verschliffen haben soll. Im Altdeutschen hieß Rabe "Havran", im englischen finden wir ihn heute in seiner veränderten Form "raven". Dann würde der Bach Ravenna ein Rabenbach sein. Allerdings liegen Bach und Schlucht im alemannischen Sprachraum, und Rabenvögel heißen hier bis heute "Krabb". Das wissen sogar die Kinder, denn im süddeutschen Raum ist der Nachtkrabb eine Kinderschreckfigur. Nach Einbruch der Dunkelheit ergreift er alle Kinder, die sich im Freien aufhalten. Dieses Motiv hat sogar der Europapark in seine jährliche Halloween Horror-Veranstaltungen aufgenommen, wo der "Nightgrabber" die Leute verschreckt.

Großer Wasserfall Ravennaschlucht
In einem Artikel des Breisgau-Geschichtsverein Schau-ins-Land erörterte der Autor Johann Adam Kraus im Jahr 1980 die bisherigen Ideen zur Geschichte des Schluchtnamens. Er beleuchtete unter anderem das französische Wort "ravin" für Schlucht sowie das mitteldeutsche Wort "rabine" für Schnelligkeit, die aus dem Romanischen kommen. Es stammt vom Lateinischen "rapidus" für schnell und lebt ebenso im englischen "ravin" für enge Schlucht bzw. Klamm weiter. Aufgrund der Klöster in der Umgebung, die im Hochmittelalter eher den romanischen Sprachen und dem Latein zugewandt waren, könnte es als Grundlage dienen.

Kelten
In den letzten zwei Jahrzehnten sind durch die Wiederentdeckung der Kelten als die Ureinwohner Mitteleuropas und archäologische Grabungen neue Erkenntnisse zur Besiedlung des Schwarzwaldes zusammengetragen worden. Vor rund 2000 Jahren wurden die Kelten im Schwarzwald erst durch die Römer romanisiert, bis die Alemannen kamen. Man geht davon aus, dass die gallorömische Bevölkerung vor allem die Höhen des Schwarzwaldes als Rückzugsgebiet nutzte, Kultur und Sprache für einige Zeit weiterbestanden. So prägten die Nachfahren der Kelten letztendlich viele heute noch gebräuchliche Berg-, Fluss- und Ortsnamen.

Höllental
Das Höllental, an dessen östlichen Ende der Ravennabach sich in die Tiefe stürzt, ist bekannt für seine Erdrutsche. Auch die Züge der Höllentalbahn müssen immer wieder pausieren, wenn Schlammlawinen, auch Mure oder Murgang genannt, mit Hölzer und Gesteinsschutt ins Tal stürzen. Ein galloromanisches Wort für Schlammlawine, Riss oder Sturz ist "rova", das sich z.B. im rätoromanischen "rovina" erhalten hat. In deutschsprachigen alpinen Gebieten, die von Schlamm- und Steinlawinen betroffen sind, von der Ostschweiz, in Liechtenstein und Vorarlberg bis nach Westtirol, leiten sich die Wörter "Rufine", "Rüfe" oder verbreiteter "Riifi" ebenso von "rova" ab.

Kelten im Schwarzwald
Man kann nun eine sprachliche Kontinuität durch die galloromanische Bevölkerung auch im Hochschwarzwald vermuten, vielleicht kam der Begriff aber auch erst im 13. Jahrhundert mit den Tausenden Holzfällern aus dem Alpenraum in die Region, die dem aufblühenden Bergbau zuarbeiteten. Interessant an "Riifi, Rufine, rovina" ist die Verwandtschaft mit dem lateinischen Wort "ruere" für "aufwühlen, aufreißen". Es ist Grundlage für das deutsche Wort Ruine im Sinne von "Trümmer" oder "zerstörtes Bauwerk", das in der Renaissance über das Französische in die deutsche Sprache wanderte. Jedes Frühjahr nach der Schneeschmelze kann man sehen, welche Naturkräfte in der Ravennaschlucht wirken, ein wahres Trümmerfeld aus Baumstämmen, Schlamm und Felsmaterial.
Wortgeschichten

Foto: Wortgeschichten

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