Eisenbahner-Waisenhort Herdern
Als Eisenbahner-Waisenhort bezeichnet man ein ehemaliges Kinderheim in der Händelstraße in Freiburg-Herdern. Die Deutsche Reichsbahn hatte das Heim 1934 für die Kinder von Bahnmitarbeitern eingerichtet, entworfen durch den Architekten Karl Cornelius (1868-1938). Das Gebäude entstand parallel zu den Bahngleisen der Rheintalbahn in der Freiburger Händelstraße. Später wurde der Eisenbahner-Waisenhort auch für andere Kinder geöffnet.Seit den 1970er nahm die Zahl der Kinder zu, zeitweise wurde das Gebäude Heimat für Flüchtlinge aus Krisenregionen in Asien. Anfang der 1980er zogen die letzten Heimkinder von der Händelstraße in kleinere dezentrale Wohnhäuser entlang der Haydnstraße Freiburg um. Im Jahr 2000 wurde der Eisenbahnerwaisenhort Freiburg offiziell aufgehoben. Heute ist das lang gezogene Gebäude ein Wohnheim für Studierende. Das Hauptgebäude, das von einem Glockenturm gekrönt wird, steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.
Aus der ehemaligen Turn- und Sporthalle wurde in den 1990er ein Wohnhaus geschaffen. Auch ein Aufenthaltsraum integrierte man in die ehemalige Sporthalle. Darin finden regelmäßig Vorführungen und Cafes statt. Ergänzt wurde der Wohnkomplex durch ein Wohnhaus in der Gluckstraße Freiburg. Der Innenhof wurde lange Zeit durch einen großen Park- und Fußballplatz eingenommen, auf dem mittlerweile Neubauten für Studierende entstanden sind.
Das Eingangsportal in der Händelstraße zeugt bis heute von dem Zeitgeist der 1930er. Eine Frau und zwei Kinder stehen am Eingangsportal. Sie wurden vom Bildhauer Ulrich Kottenrodt (1906-1984) geschaffen und spiegeln die gesellschaftlichen Werte der damaligen Zeit. Diese Figurengruppe zeigt auf der einen Seite die zu ersetzende Mutter, die streng und zugleich behütend auf den Betrachter wirkt. Auf der anderen Seite übernehmen die Kinder die typischen Rollenmerkmale von Mann und Frau. Während der Junge lebendig du zielstrebig zugleich nach vorne schreitet, schmiegt sich das kleiner Mädchen schon fast regungslos an den Körper der Frau.
Heute gehört der Gebäudekomplex, häufig Händelwohnheim genannt, als "Studentenhäuser Händelstraße" zum Studierendenwerk Freiburg. Der Autor Wolfgang Schorlau verbrachte in den 1960er ab seinem 11 Lebensjahr einen Teil seiner Kindheit im Freiburger Eisenbahnerwaisenhaus. Seine prägenden Erlebnisse aus dieser Zeit flossen später in seinen Roman "Rebellen" ein.
Eisenbahner-Waisenhort Herdern
Ehemaliges Kinderheim mit stadtgeschichtliche Bedeutung
Händelstraße
79104 Freiburg im Breisgau
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