Startseite Suche Menue ServiceWhatsAppTwitterFacebook
Wissen | Cornelia Schlosser (1750-1777)

Cornelia Schlosser (1750-1777)

Cornelia Friederica Christiana Goethe wurde am 7. Dezember 1750 in der Freien Reichsstadt Frankfurt am Main als zweites Kind ihrer Mutter Katharina Elisabeth Textor und des Kaiserlichen Rats Johann Caspar Goethe geboren. Ihr Bruder Johann Wolfgang von Goethe war nur 15 Monate älter als sie und die beide Geschwister wuchsen fast wie Zwillinge in Frankfurt gemeinsam auf. Bereits mit drei Jahren wurde Cornelia in die so genannte "Spielschule" geschickt und lernte dort schon sehr früh bei Magdalena Hoff (1710-1758) Lesen und Schreiben. Später erhielt Cornelia Goethe gemeinsam mit Johann Wolfgang Unterricht von einem gemeinsamen Hauslehrer. Die ersten erlernten Fremdsprachen waren Latein und Griechisch. Es folgte später Unterricht in Französisch, der Modesprache des 18. Jahrhunderts. Auf dem Lehrplan standen aber ebenso Italienisch, Englisch, Rechtswissenschaft, Mathematik, Geographie und die Kunst des "Schönen Schreibens". Auch die sportliche und musische Erziehung - eine Erziehung auf der Grundlage von Dichtkunst, bildender Kunst, Musik und Tanz - stand im gewünschten Ausbildungsprogramm des Vaters.

Trotz dieser umfassenden Ausbildung in ihrer Jugend konnte Cornelia Goethe nicht studieren und blieb, als ihr Bruder Wolfgang 1765 in Leipzig sein Studium aufnahm, zu Hause in Frankfurt am Main. Zwischen 1765-1768 studierte ihr Bruder Jura und schloss 1771 das Studium im elsässischen Straßburg ab. Für einige Zeit hielt sich ihr Bruder Johann Wolfgang wieder in Frankfurt auf und sie unterstützte ihn sehr bei seiner Arbeit als aufblühender Schriftsteller. Unter anderem regte sie ihn dazu an, sein Buch "Götz von Berlichingen" mehr zu dramatisieren. Es wurde im Jahr 1774 mit großem Erfolg in Berlin uraufgeführt. Von 1767 bis 1769 führte Cornelia Goethe ein geheimes Brieftagebuch in französischer Sprache. Diese so genannte "Correspondance Secrète" an ihre Freundin Katharina Fabricius blieb der Nachwelt erhalten. In ihren Texten wirft Cornelia einen genauen und zugleich ablehnenden Blick auf die bessere Frankfurter Gesellschaft. Sie spiegeln ihre Abneigung der weiblichen Rolle in der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts wieder, die ihr eine weiterführende Bildung wie ihrem Bruder Johann Wolfgang an der Uni versagte. Cornelia sieht keine Alternative zur Ehe und stellt fest: "Es ist offensichtlich, dass ich nicht immer Mädchen bleiben kann, überdies wäre es sehr lächerlich, sich das vorzunehmen."

Als Johann Wolfgang 1772 eine Anstellung am Reichskammergericht in Wetzlar annahm, blieb sie abermals in Frankfurt zurück und verlobte sich schließlich mit dem Juristen Johann Georg Schlosser, einem Freund ihres Bruders aus der Frankfurter Bürgergesellschaft. Sie heirateten am 1. November 1773 und ihr frischgebackener Mann erhielt eine hohe Beamtenstelle am Badischen Hof in Karlsruhe. Schon nach kurzer Zeit ging es dann von Karlsruhe in die südliche Provinz nach Emmendingen, einer Kleinstadt rund 15 Kilometer nördlich von Freiburg. Sie bezogen dort das Haus, in dem sich heute die Stadtbibliothek befindet. Zunächst konnte sie sich mit ihrer neuen Rolle als Ehefrau anfreunden und schrieb am 13. Dezember 1773 aus Karlsruhe an ihre Freundin Caroline Herder: "Alle meine Hoffnungen, alle meine Wünsche sind nicht nur erfüllt - sondern weit, weit übertroffen. Wen Gott lieb hat, dem geb er so einen Mann."

Doch schon bald zeigte sich, dass die Ehe nicht glücklich wurde. Als gebürtige Frankfurterin vermisste sie das Großstadtleben und vereinsamte in der damals kleinen markgräflichen Provinzstadt Emmendingen. Sie fing an, chronisch unzufrieden zu werden, führte ihren Haushalt nur widerwillig und wurde schließlich immer öfter krank. Ihr Mann Johann Schlosser notierte eines Tages: "Jeder Wind, jeder Wassertropfen sperrt sie in die Stube und vor Keller und Küche fürchtet sie sich noch zu viel". Abwechslung in ihrem Alltag brachten allenfalls Begegnungen mit Persönlichkeiten mit sich, zu denen Schlosser Kontakt hatte und die ihn in Emmendingen besuchten. Auch ihr Bruder Johann Wolfgang war gern zu Gast. Ihm gefielen das markgräfliche Städtchen am Nordrand des Breisgaus und seine Umgebung. Hier siedelte er auch die Geschehnisse seines idyllischen Epos "Hermann und Dorothea" an. In dem Haus und dem alten Emmendinger Markgrafenschloss traf Goethe sich mit Herder und Wieland. In dem Schloss ist heute das Heimatmuseum eingerichtet, mit Schriften und Erstausgaben.

Bei der Geburt der ersten Tochter Maria Anne Louise am 28. Oktober 1774 starb Cornelia beinahe im Kindsbett und erholte sich nur sehr langsam von dieser Geburt. Sie verbrachte fast zwei Jahre im Bett. Im Jahr 1776 wurde sie wieder schwanger und notierte in einem Brief: "Da schleiche ich denn ziemlich langsam durch die Welt, mit einem Körper, der nirgend hin als ins Grab taugt." Ihre zweite Tochter Catharina Elisabeth Julie wurde am 8. Mai 1777 geboren und nur vier Wochen später starb Cornelia im Alter von nur 26 Jahren. Ihr Grab liegt südlich der Emmendinger Altstadt. Empfehlenswerte Literatur findet sich in "Cornelia Goethe: Briefe und Correspondance Secrete 1767 -1769. von Melanie Baumann". und in dem Buch: "Die Geschichte der Stadt Emmendingen, Band 1, Von den Anfängen bis zum Ende des alten Reiches".

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Muettersproch-Gsellschaft

Anzeige

Alle Inhalte, Texte, Fotos und Grafiken auf dieser Internetseite ("Thema Wissen » Seite Cornelia Schlosser (1750-1777)") und alle dazugehoerigen Domainnamen sind urheberrechtlich geschuetzt. Diese Internetseite ist nicht die offizielle Webseite des Schwarzwalds, des Bodensee, Wissen sowie der aufgefuehrten Orte und Landkreise bzw. Ferienregionen. Cookies erleichtern die Bereitstellung einiger Dienste auf dieser Homepage www.alemannische-seiten.de (Seite Cornelia Schlosser (1750-1777)). Mit Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.

Coronavirus | Datenschutz | Impressum | Literaturhinweise



Alle Angaben ohne Gewähr - Änderungen vorbehalten 2002 - 2023
Alle Seiten © Alle Rechte vorbehalten. (All rights reserved)